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SINOx-Abgasnachbehandlungssysteme für Verbrennungsmotoren

Leone Lattanzio / Herbert Römich, Firma SIEMENS AG, 96254 Redwitz


Die selektive katalytische Reduktion (SCR) ist eine seit Jahren erprobte Technologie zur NOx-Minderung und führt ihren Ursprung auf die Notwendigkeit der Nachrüstung der Großkraftwerke - aufgrund der veränderten , gesetzlich vorgegebenen Emissionsgrenzwerte - in die Mitte der 80er Jahre zurück.
Seit 1986 rüstet Siemens mehr als 80 kohle- und ölgefeuerte Kessel mit Katalysator aus.

Basierend auf den sehr guten Erfahrungen aus dem Kraftwerksbereich hat Siemens das Abgasreinigungssystem SINOx entwickelt, das u.a. im Abgasstrang lastvariabel betriebener Motoren in Blockheizkraftwerken und Stromaggregaten erfolgreich eingesetzt wird.
Bei Verbrennungsmotoren wird die Stickoxidbildung, d.h. die Verbindung von Luftstickstoff mit Luftsauerstoff, im wesentlichen durch die Höhe der Verbrennungstemperatur bestimmt. Je höher das Temperaturniveau im Brennraum ist, desto besser wird der Kraftstoff in Energie umgesetzt, desto geringer ist der Kraftstoffverbrauch sowie der damit verbundene CO2-Ausstoß, aber andererseits entsteht dadurch mehr Stickoxid. Es entsteht ein Zielkonflikt zwischen Emissionsminderung und Minimierung des Kraftstoffverbrauchs.

Motorseitige Maßnahmen zur Verringerung des Stickoxidausstoßes zielen daher darauf ab, die Verbrennungstemperatur zu senken. Dazu gehört u.a. die Wassereinspritzung. Die Wassereinspritzung erlaubt - allerdings nur im Teillastbereich des Motors - eine Stickoxidreduktion bis zu 40 %.
Stickoxidminderungsraten bis zu 95% können heute hingegen mit der katalytischen Abgasnachbehandlung nach dem SCR-Verfahren erzielt werden. Die in der Bundesrepublik geltenden Grenzwerte nach TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) werden damit sicher unterschritten. Die SCR-Technik ist bei Diesel- oder Gasmotoren gleich gut anwendbar.

 

So besteht ein Abgasreinigungssystem im wesentlichen aus dem Katalysator, der Steuerung und der Dosiereinrichtung für das Reduktionsmittel. Anders als im Kraftwerk wird eine wässrige Harnstofflösung anstelle von Ammoniak als Reduktionsmittel zugegeben. Die Besonderheit des Harnstoffs liegt darin, dass jeglicher Umgang bei Transport und Lagerung völlig problemlos ist. So verwendet beispielsweise die Landwirtschaft Harnstoff als Dünger- oder Futtermittelzusatz. Harnstoff ist farblos, geruchsfrei, ungiftig und biologisch unbedenklich.

Herzstück des bei Siemens in Redwitz (Oberfranken) entwickelten SINOx-Systems ist ein vollkeramischer, feinzelliger Wabenkatalysator aus Titandioxid, welcher mit Vanadinpentoxid als aktive Substanz dotiert ist. Je nach Anforderung wird dieser Katalysator zur Stickoxidminderung zusätzlich zur Kohlenmonoxidminderung durch einen nachgeschalteten Oxidationskatalysator auf Edelmetallbasis ergänzt. Die Siemens-Katalysoren haben eine hohe katalytische Aktivität, eine hohe Selektivität, große Erosionsfestigkeit, sind unempfindlich gegen Partikelablagerungen sowie mechanisch und thermisch hoch belastbar.

Viele SINOx-Abgasreinigungssysteme von Siemens - davon einige mit mehreren parallelen Einheiten - sind seit Jahren erfolgreich im Betrieb, weitere sind im Bau. Dabei wurde in Europa ein breites Feld an NOx-Emissionsquellen, von Industriekesseln mit Holz- oder (Schwer)-Ölfeuerung, über Rückstandsverbrennungsanlagen, chemische Produktionseinrichtungen und stationäre Motoren zur Stromerzeugung oder in Heizkraftwerken bis hin zum Schiffsdieselmotor mit SINOx-Abgasreinigungssystemen umweltschonened ausgerüstet. So ist es auch möglich, mit standardisierten Serienprodukten kleinere Aggregate kostengünstig den Umweltschutzvorschriften anzupassen.



Ansprechpartner:

Friedhelm Steinborn

E-Mail:

steinborn@bhkw-info.de


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Stand: 25/08/2000