| Firma SAARBERG, Saarbrücken
Die Firma SAARBERG hat die Entwicklungen eingestellt. Bitte keine Anfragen an die Firma senden, da momentan kein Ansprechpartner vorhanden ist. (August 1999)
Stirling-Motoren erreichen hohe Wirkungsgrade, verwerten praktisch jeden Brennstoff,
sogar Abwärme aus Industrieprozessen, und ermöglichen eine emissionsarme Umwandlung in
elektrische Energie. Trotz aller Vorzüge konnten sich Stirling-Motoren bisher als
Serienprodukte nicht durchsetzen. In der Zukunft können Stirling-Maschinen infolge des
steigenden Umweltbewußtseins und der Erschließung neuer, interessanter Bereiche
verstärkt zum Einsatz kommen.
Stirling - Was ist das?
Zunächst stellt die Bezeichnung "Stirling" lediglich einen Sammelbegriff
für Stirling-Maschinen dar. Stirling-Maschinen können sowohl als Motor und Wärmepumpe
als auch als Kältemaschinen zum Einsatz kommen.
Geschichtliche Entwicklung
Der Erfinder Robert Stirling entwickelte gemeinsam mit seinem Bruder James bereits im
Jahre 1816 eine sichere, einfache und wirtschaftliche Wärmekraftmaschine. Diese wurde
zunächst für die Entwässerung von Bergwerken eingesetzt. Die ersten Stirling-Maschinen
konnten sich im Wirkungsgrad durchaus mit den Dampfmaschinen messen. In den nachfolgenden
Jahrzehnten wurden die Stirling-Maschinen in Kleinserien von verschiedenen Firmen
hergestellt. Im Leistungswettbewerb der Jahrhundertwende, in dem die erzielte Leistung,
die Regulierfähigkeit der Maschine und die Möglichkeit schnell liefern zu können im
Vordergrund standen, unterlag die Stirling-Maschine den Verbrennungsmotoren.
Erst Mitte der 30er Jahre unseres Jahrhunderts kam es zu neuen Entwicklungen durch die
Firma Philips, wobei die Stärken der Stirling-Maschinen herausgearbeitet wurden. Philips
vergab in den nachfolgenden Jahren verschiedene Lizenzen. Heute vertreibt man als Fa. SCR
BV, Eindhoven, Stirling-Maschinen in Gasverflüssigungsanlagen.
Erst in den letzten Jahren werden moderne Werkstoffe, Dichtungen, wirkungsvolle
Wärmeübertragung und günstige Strömungsverhältnisse so eingesetzt, daß die
Stirling-Maschine auch in der Kraft-Wärme-Kopplung sinnvoll betrieben werden kann.
Die Saarbergwerke AG werden für diesen Markt einen stationären Dauerläfer herstellen.
Saarbergaktivitäten
Die ersten Berührungspunkte der Saarbergwerke AG mit der Stirling-Motortechnik ergaben
sich durch die Übernahme der Fa. Bomin Solar im Jahre 1990. Die Fa. Ecker Maschinenbau
GmbH & Co. KG wurde von den Saarbergwerken beauftragt für Bomin 20 Stirling-Maschinen
mit einer elektrischen Leistung von 3 kW el
fertiggungstechnisch zu optimieren (Bild 1).
Nach der Auslieferung dieser Maschinen Anfang 1992 wurde eine Projektgruppe Stirling Saar
gegründet, mit dem Ziel die Grenzbedingungen für den Stirling-Einsatz aufzuzeigen. Sie
bestand aus den Stadtwerken Saarbrücken, der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG, der
Saarberg Fernwärme und der Ecker Maschinenbau. Schnell wurde klar, daß in
verschiedenen Nischenanwendungen die Stirling-Maschine durchaus sinnvoll betrieben werden
kann.
Nach Festlegung der Randparameter entschloß man sich zur Übernahme einer eigenen Lizenz
für Großmaschinen bis 405 kWel und meldete diese zum
Europapatent an. Anschließend erhielt man vom Bundesministerium für Forschung und
Technik (BMFT) einen Forschungsauftrag zur Anpassung einer Stirling-Maschine mittlerer
Leistung.
Nach dem Konkurs der Fa. Ecker übernahmen die Saarbergwerke das Forschungsvorhaben und
das Europapatent. |
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![[Bild: Stirling-Motor E-St 3/1]](bilder/bilder-saarberg/saarberg-01.jpg)
Bild 1: Stirling-Motor E-St 3/1 |
Funktionsprinzip
Als Arbeitsmedium wird bei dem Stirling-Motor der Saarbergwerke Helium eingesetzt.
Dieses wird in einem geschlossenen Kreislauf zyklisch von zwei Kolben (Arbeits- und
Verdrängerkolben) zwischen einer heißen Stelle (Erhitzer) und einer kalten Stelle
(Kühler) hin- und hergeschoben. Das aufgeheizte Gas dehnt sich aus, das abgekühlte zieht
sich zusammen. Hierdurch steigt der Druck im Helium. Dieser Gasdruck wirkt über den
Arbeitskolben auf den Kurbetrieb. Die mechanische Energie wird durch zwei
Elektrogeneratoren in elektrische Energie umgewandelt.
Zwischen dem Erhitzerkopf und dem Kühler befindet sich der Regenerator, der dem Gas auf
seinem Weg von der heißen zur kalten Seiter Wärme entzieht und beim Rückströmen wieder
zuführt.
![[Graphik]](bilder/bilder-saarberg/saarberg-02.gif)
Eigenschaften
Wie alle technischen Entwicklungen verfügt auch der Stirling-Motor über positive wie
auch negative oder kritische Eigenschaften. Kritische Eigenschaften können nur dann ihren
negativen Einfluß ausüben, wenn das technische Problem nicht entsprechend gelöst ist.
Die nachfolgende Liste der besonderen Eigenschaften ist schon recht umfangreich.
hohe Flexibilität |
→ |
Vielseitigkeit |
→ |
universell |
äussere Verbrennung |
→ |
kontinuierlich, von Energieform unabhängig |
→ |
sauber |
geschlossenes System |
→ |
Gas unabhängig |
→ |
sauber |
lärm- und vibrationsarm |
→ |
|
→ |
leise |
wartungsfreundlich |
→ |
ölfrei |
→ |
robust, wartungsarm |
gekapseltes Gehäuse |
→ |
Dichtung |
→ |
sicher, zuverlässig |
Die Liste darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß kritische Stellen noch im
Heißteilwärmetauscher, im Getriebe und der Regeltechnik vorhanden sind. Hier in der
Motortechnik beginnt der Ansatz des Forschungsvorhabens.
Technische Daten
Das Leistungszentrum Technik der Saarbergwerke AG entwickelt derzeit auf Basis des
bereits vorhandenen Stirling-Motors mit 3 kWel-Leistung
(siehe Bild 1) eine verbesserte Version mit einem neuartigen Kurbeltrieb und einer
Leistung von 20 kWel.
1-Zylindermaschine |
ST 20/1 |
Arbeitsgas |
Helium |
Kühlmedium |
Wasser o.a. |
Arbeitstemperaturen: |
|
Heißteil |
700 °C |
Kaltteil |
25 °C |
Mitteldruck |
80 bar |
elektr. Leistung |
20 kW |
therm. Leistung |
40 kW |
Drehzahl |
1500 1/min |
Motornutzungsgrad |
36 % |
Abmessungen |
Länge: |
1650 mm |
Breite: |
900 mm |
Höhe: |
1400 mm |
Anwendungsfelder
So vielfältig wie die technischen Ausführungen eines Stirling-Motors, so zahlreich
sind dessen Anwendungsfelder.
Vor dem Hintergrund der CO2-Problematik und anderen energiebedingten
Umweltfolgen gewinnt die Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen
Nutzung organischer Nebenprodukte aus der Land- und Forstwirtschaft wieder an Bedeutung.
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieaufkommen in Deutschland beträgt
derzeit weniger als 2%. Insbesondere organische Nebenprodukte wie beispielsweise Stroh,
Exkremente aus der Nutztierhaltung sowie Abfallholz aus der Waldbewirtschaftung, aber auch
Energiepflanzen, können einen Energiebeitrag leisten, der zur Deckung von maximal 13 %
der Endenergie herangezogen werden kann [1]. Diese Zahl verdeutlicht, daß die
regenerativen Energiequellen nur "additive" Energiequellen darstellen, die neben Kohle,
Öl und Gas als Energieträger genutzt werden, diese aber nur unterstützen
können.
Eine Möglichkeit zum Betreiben einer Stirlingmaschine besteht auch durch die energetische
Nutzung des freigesetzten Methans in der Energiewirtschaft, z.B. des Grubengases der
Steinkohlenlagerstätten. Dieses Gas hat einen sehr hohen Methananteil und kann mit Luft
ein explosionsfähiges Gemisch bilden (kritisch 5 - 15 Vol.-% CH4).
Daher wird es vor dem Abbau der Steinkohle gezielt abgesaugt und wirtschaftlich genutzt,
etwa als Brennstoff in Heizwerken und in der Industrie. Auch in abgebauten Bereichen und
verfüllten Schächten wird das Gas abgesaugt und über Rohre an die Erdoberfläche
geführt.
Mit dem "natürlichen Grubengasvorkommen", der mehr oder weniger frei
ausgasenden Kohlenbereiche, können Stirling-Motoren mit dem Primärenergieträger
Grubengas betrieben werden.
Im Saarland ist das Aufkommen an Grubengas (Bild 2) etwa gleichgroß der theoretisch
nutzbaren Biogas-Menge. Im Gegensatz zum Biogas ist jedoch das ausschöpfbare Potential
sowie die Verfügbarkeit erheblich höher. Dieses erweiterte Potential kann sehr gut an
Stirling-Maschinen in elektrische Energie "veredelt" werden.
Stirling-Motoren können u.a. über den Weg des Grubengases auch andere methanhaltige,
und damit brennbare, Gase verwerten.
Nachfolgend sind mögliche Einsatzbereiche von Stirling-Motoren aufgezeigt.
Heißgasmaschine als Stromlieferant
feste Brennstoffe, auch Abfallverwertung
flüssige und gasförmige Brennstoffe
Nutzung regenerativer Energien aus primärer Biomasse
Abfallprodukte aus der Landwirtschaft, pflanzliche Reststoffe
Holzreste, Holzhackschnitzel, aufbereiteter Niederwald
sekundäre Biomasse und Abfallgase
Klärgase, Faulgase (Exkremente), Deponiegase
Gicht- und Kokereigas, Grubengas
Nutzung der direkten Sonnenenergie
Kältemaschine als FCKW-freies Kühlaggregat
Zusammenfassung
Unser Interesse gilt vorrangig Marktnischen mit Stückzahlen von 150 bis 200 Anlagen
p.a.. Hier können die Erfahrungen gesammelt werden, die als Grundlage zur Umsetzung einer
Großserie notwendig sind.
Bis zum direkten Einsatz eines Stirling-Motors bei der dezentralen Stromerzeugung mit
Biomasse sind jedoch noch technische Entwicklungspotentiale sind nur im Stirlingmotor
selbst und dessen Hilfseinrichtungen vorhanden.
Bei steigendem Umweltbewußtsein wird der Stirling-Motor in den nächsten Jahren einen
großen Marktanteil erobern können.
Literatur
[1] |
Kaltschmitt, M.: Energiegewinnnung aus Biomasse im Kontext des deutschen
Energiesystems; Artikel in Zeitschrift: Energieanwendung S. 19-25; Nr. 1 Jan. / Feb. 1995 |
[2] |
N.N: Studie zur energetischen Nutzung von Biomasse im Rahmen kommunaler
Energieversorgungskonzepte für das Saarland LEBEN-Saar [EN3B-0185-D] (CH)]; Stadtwerke
Saarbrücken, im September 1991 |
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