Wegen des Klimawandels hat die Münchner Rück höhere Eigenbeiträge der
Versicherten angekündigt. Sie schätzt die Zahl der weltweit gezählten
Naturkatastrophen im Jahr 2000, dem zweiten Rekordjahr in Folge, als
Zeichen des Klimawandels ein.
Die Statistik der Münchner Rück lässt bislang nur den Schluss zu, dass die
Schadenssummen zunehmen. Vornehmlich wegen des
Bevölkerungswachstums und der Besiedlung gefährdeter Räume werden die
klimabedingten Katastrophen in den nächsten Jahren aber weiter zunehmen.
Die tropischen Wirbelstürme können nun auch in Regionen auftreten, wo sie
bislang nicht beobachtet werden, weil wir die Atmosphäre und Ozeane
aufheizen. Zudem ist nachgewiesen, dass sich die Niederschläge in vielen
Regionen verändern. Bei uns werden die Sommer trockener, was das
Dürrerisiko erhöht. Die Winter und Frühjahre wiederum werden feuchter
und milder. Dadurch wächst die Überschwemmungs- und
Hochwassergefahr im Frühjahr. Ein aktuelles Beispiel sind die
Überschwemmungen in der Schweiz und in Oberitalien im Oktober und
November 2000. Wenn die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen
kann, weil sie wärmer wird, dann wird künftig mehr feucht-warme
Mittelmeerluft gegen die Alpen getrieben, und es kommt zu stärkeren
Niederschlägen.
Die Münchner Rück hofft, dass es zumindest zu einem Alternativprogramm
zu Kyoto kommt, bei dem die USA wieder mitmachen. Ohne die USA
seien die Kyoto-Ziele nur schwer zu erreichen. Mit dem Kyoto-Protokoll
gäbe es Anreize für die Wirtschaft, emissionsärmere Techniken zu
entwickeln und einzusetzen. Der Emissionshandel käme ins Laufen. Die
Rückversicherer bereiten bereits entsprechende Instrumente vor, um den
steigenden Schadenssummen gerecht zu werden.
Das wichtigste Instrument wird die Einführung substanzieller Selbstbehalte je
nach Gefährdungsgraden sein, so wie das heute schon bei
Autoversicherungen üblich ist. So wird zum einen nicht jeder
Bagatellschaden gleich gemeldet. Zum anderen wird die Vorbeugung
unterstützt. Bei der Naturgefahrenversicherung heißt das beispielsweise:
Wenn ein Hausbesitzer bei einem Sturmschaden künftig einen Selbstbehalt
von vielleicht 1000 Mark zahlen muss, wird er bei einer
Schlechtwetterwarnung effektivere Vorbeugemaßnahmen ergreifen. Dann
wird er die Markisen einfahren, die Fenster schließen, die Antenne fixieren.
So werden viele mögliche Schäden schon im voraus vermieden.
Derzeit gibt es aber noch keinen Zeitplan, wann Maßnahmen eingeführt
werden sollen. Die Prämieneinnahmen reichen noch aus. Im Grunde müssen
sich die Bürger aber darauf einstellen, dass sie für den Klimawandel tiefer in
die Tasche greifen: entweder für direkte Schäden, erhöhte
Versicherungsprämien oder einen größeren Selbstbehalt.
Quelle: Münchner Rück, http://www.munichre.de
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