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Hemmnisse eines weiteren Ausbaus der Kraft-Wärme-Kopplung

Mehr als die Hälfte des Stroms könnte umweltfreundlich in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt werden
Geplante Großkraftwerke der Stromkonzerne würden Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft blockieren

Berlin, 29.11.2006 - Eine konsequente Nutzung der bisher größtenteils noch ungenutzten Potenziale zur gekoppelten Erzeugung von Strom und Wärme hat der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) auf seiner Jahrestagung in Berlin gefordert. Dies erfordere allerdings ein Umdenken in der Energiewirtschaft, das durch entsprechende energie- und umweltpolitische Signale und Anreize sowie den Abbau bestehender Hemmnisse angestoßen werden müsse. Verbandspräsident Johannes van Bergen, hauptamtlich Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall: „ Die derzeit bestehenden Pläne zum Ersatz alter Kraftwerke durch 30 bis 40 Gigawatt an neuen herkömmlichen Kraftwerken sind mit den Plänen der Bundesregierung zum Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung unvereinbar. Das Ziel, die Energieeffizienz in Deutschland bis 2020 jährlich um 3% zu steigern, würde unerreichbar. Es ist daher paradox, wenn die Stromkonzerne von der Politik zur Realisierung dieser Investitionen gedrängt werden.“

Auf der Tagung wurden die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Bremer Energieinstituts und des Deutschen Instituts für Luft und Raumfahrt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums präsentiert, wonach das wirtschaftlich umsetzbare Potenzial der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bei mindestens 57% der gesamten Stromerzeugung in Deutschland liegt. Dieser Anteil liegt derzeit bei ca. 12%.Die installierte elektrische Leistung von KWK-Anlagen, derzeit ca. 21 GW, könnte nach der Studie bis 2020 verdreifacht werden. Dass ein derart schneller Ausbau durchaus realistisch sei, zeigten Beispiele anderer europäischer Länder wie Dänemark, Niederlande und Finnland.

Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es, so die Forderung des Verbandes, als erstem Schritt einer umgehenden, anspruchsvollen Novellierung des KWK-Gesetzes.

Hingegen sei die Errichtung der derzeit geplanten über 30 GW an neuen konventionellen Kraftwerken mit dem Ziel einer weitgehenden Nutzung der KWK-Potenziale unvereinbar. Der Neubau neuer konventioneller Kraftwerkskapazitäten sei aus energiewirtschaftlichen Gründen nicht erforderlich. Der künftige Bedarf an elektrischem Strom und Erzeugungskapazitäten einschließlich Regelenergie könne komplett durch einen Ausbau der KWK mit fossilen und zunehmend biogenen Brennstoffen in Verbindung mit anderen erneuerbaren Energien sowie der Entwicklung eines intelligenten Zusammenspiels zwischen Energieverbrauchern, Energieerzeugern und Netzbetreibern erreicht werden.

Dabei bedeute ein verminderter Ausbau konventioneller Kraftwerkskapazitäten nicht weniger sondern mehr Investitionen. Der Ausbau der KWK und einer intelligenten Steuerung der Energieversorgung würde höhere Investitionen auslösen, mehr Arbeitsplätze schaffen und Energieverbrauch durch Energieintelligenz ersetzen. Dauerhafte Wachstumsimpulse über mehrere Jahrzehnte, die mit den Langfristzielen einer nachhaltigen Wirtschaft vereinbar sind, würden ausgelöst.

Käme es hingegen zu dem geplanten massiven Ausbau konventioneller Kraftwerkskapazitäten, würden diese für die nächsten Jahrzehnte eine schwere Hypothek darstellen und ein erhebliches politisches Gegengewicht gegen die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft bilden.

Die KWK-Potenzialstudie mit dem Titel „Analyse des nationalen Potenzials für den Einsatz hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung“ ist zu beziehen bei www.shop.emvg.de

Autor: von Wolfgang Schulz, Bremer Energieinstitut

Veröffentlichung im Fachzeitschrift Euro Heat & Power
Beim Bundesverband KWK.